Was ist ein Neurologe? Eine umfassende Erklärung
Du möchtest gerne wissen, was ein Neurologe ist? Es gibt eine einfache Antwort: Ein Neurologe ist ein Facharzt, der sich auf die Diagnose und Behandlung von Erkrankungen des Nervensystems spezialisiert hat. Die offizielle Bezeichnung lautet „Facharzt für Neurologie“. Ein Neurologe ist ein Experte für Erkrankungen des Gehirns, des Rückenmarks, der peripheren Nerven und der Muskulatur. Der Begriff stammt aus dem Altgriechischen: „neuro-“ bedeutet Nerv, „-logie“ bedeutet Lehre.
Das Nervensystem: Womit befasst sich ein Neurologe?
Um zu verstehen, was ein Neurologe genau macht, musst du zunächst wissen, womit er sich genau beschäftigt.
Das zentrale Nervensystem (ZNS):
- Das Gehirn als das Kontrollzentrum deines Körpers.
- Das Rückenmark als Verbindung zwischen Gehirn und Körper.
Das periphere Nervensystem (PNS):
- Alle Nerven außerhalb von Gehirn und Rückenmark.
- Verbindet Kopf, Gliedmaßen und Organe mit dem ZNS.
Das vegetative (autonome) Nervensystem:
- Reguliert unbewusste Körperfunktionen wie Herzschlag, Atmung, Verdauung und Temperaturregulation.
Die Muskulatur:
- Obwohl nicht technisch Teil des Nervensystems, gehört die Muskulatur zum Fachgebiet des Neurologen, da Muskeln und Nerven untrennbar verbunden sind. Nerven steuern die Muskelbewegungen.
Der Neurologe ist spezialisiert auf all diese Systeme und ihre Störungen.
Was macht ein Neurologe konkret?
Die Aufgaben eines Neurologen sind vielfältig:
1. Anamnese (Krankengeschichte)
Der Neurologe stellt ausführliche Fragen zu:
- Deinen aktuellen Symptomen (Kopfschmerzen, Lähmungen, Gedächtnisstörungen, Schwindel, Schlafprobleme etc.).
- Deine persönliche und familiäre Krankengeschichte.
- Deinem Lebensstil und psychosozialen Faktoren.
Eine detaillierte Anamnese ist die Basis für jede zuverlässige Diagnostik.
2. Neurologische Untersuchung
Der Neurologe führt spezialisierte körperliche Tests durch:
- Reflexprüfung: Überprüfung der Nervenfunktion.
- Sensibilitätsprüfung: Testet, wie gut dein Tastsinn funktioniert.
- Kraft- und Bewegungsprüfung: Überprüft Lähmungen oder Schwächen.
- Gleichgewichtsprüfung: Testet die Funktion von Gehirn und Gleichgewichtsorgan.
- Hirnnervenprüfung: Überprüft die 12 Hirnnerven.
Diese Tests sind relativ einfach, aber sehr aussagekräftig.
3. Moderne Diagnostik
Der Neurologe nutzt fortschrittliche Technologien:
- MRT/CT: Bildgebung von Gehirn und Rückenmark.
- EEG (Elektroenzephalographie): Misst elektrische Aktivität des Gehirns (z. B. zur Diagnose von Epilepsie).
- EMG (Elektromyografie): Misst elektrische Aktivität in Muskeln.
- NLG (Nervenleitgeschwindigkeitsmessung): Testet die Geschwindigkeit der Nervenfunktion.
- Blutuntersuchungen: Sucht nach Infektionen, Mangelerscheinungen oder genetischen Problemen
- Lumbalpunktion: Eine Nadel-Punktion im unteren Rücken zur Analyse der Gehirn-Rückenmark-Flüssigkeit.
4. Therapie und Behandlung:
Der Neurologe erstellt einen individuellen Behandlungsplan, der Folgendes umfassen kann:
- Medikamentöse Therapie: Verschreibung geeigneter Medikamente.
- Nichtmedikamentöse Therapie: Empfehlung von Physiotherapie, Logopädie, Ergotherapie.
- Lebensstiländerungen: Ratschläge zu Ernährung, Bewegung, Schlaf.
- Prävention: Beratung zur Vermeidung von Symptom-Verschlimmerung.
5. Langzeitbetreuung:
Viele neurologische Erkrankungen sind chronisch. Der Neurologe:
- Überwacht die Krankheit regelmäßig.
- Passt Therapien an neue Entwicklungen an.
- Koordiniert die Behandlung mit anderen Fachbereichen.
Welche Erkrankungen behandelt ein Neurologe?
Ein Neurologe ist Spezialist für eine große Bandbreite von Krankheitsbildern. In der folgenden Tabelle findest du typische neurologische Erkrankungen:
| Erkrankung | Was ist das? |
| Schlaganfall | Durchblutungsstörung des Gehirns (medizinischer Notfall) |
| Multiple Sklerose | Autoimmunerkrankung mit Nervenschädigungen |
| Parkinson | Bewegungsstörung mit Zittern und Steifheit |
| Epilepsie | Anfallsleiden mit unkontrollierten Hirnaktivitäten |
| Alzheimer/Demenz | Gedächtnis- und Denkverlust |
| Migräne/Kopfschmerzen | Anhaltende oder wiederkehrende Kopfschmerzen |
| Polyneuropathie | Schädigung mehrerer Nerven (z. B. durch Diabetes) |
| Schwindel | Gleichgewichtsstörungen |
| Schlafstörungen | Probleme beim Ein- und Durchschlafen |
| Ischias/Nervenwurzelverletzungen | Druck auf Nervenwurzeln (z. B. bei Bandscheibenvorfällen) |
| ALS (Amyotrophe Lateralsklerose) | Progressive Lähmungserkrankung |
| Tremor | Unwillkürliches Zittern |
| Myasthenia Gravis | Autoimmun-Muskelerkrankung |
| Neuralgie | Nervenschmerzen |
Ein Neurologe beschäftigt sich mit Alltagserkrankungen wie Kopfschmerzen, aber auch mit seltenen Störungen, die nur wenige Menschen betreffen.
Der wichtige Unterschied: Neurologe vs. Psychiater
Dies ist eine der am häufigsten gestellten Fragen. Die beiden Fachrichtungen unterscheiden sich fundamental:
| Aspekt | Neurologe | Psychiater |
| Fachbereich | Körperliche Störungen des Nervensystems | Psychische/seelische Erkrankungen |
| Untersuchungsmethoden | Körperliche Tests, Bildgebung, EMG, EEG | Psychologische Gespräche |
| Typische Erkrankungen | Schlaganfall, Parkinson, MS, Epilepsie | Depression, Angststörung, Schizophrenie |
| Symptome | Lähmung, Zittern, Gedächtnisverlust | Traurigkeit, Angst, Wahnvorstellungen |
| Medikamente | Antiepileptika, L-Dopa etc. | Antidepressiva, Antipsychotika |
Einfach zusammengefasst: Ein Neurologe behandelt körperliche Erkrankungen des Nervensystems, während ein Psychiater sich mit psychischen Erkrankungen befasst.
Es gibt eine Schnittstelle: Ein Patient kann sowohl neurologische als auch psychiatrische Probleme haben, etwa wenn Parkinson zu Depressionen führt. In solchen Fällen arbeiten Neurologe und Psychiater zusammen.
Ausbildung zum Neurologen: ein langer Weg
Um Neurologe in Deutschland zu werden, ist eine lange, spezialisierte Ausbildung erforderlich:
1. Medizinstudium: 6 Jahre
2. Assistenzarztzeit: 2 Jahre in verschiedenen medizinischen Fachbereichen
3. Facharztausbildung Neurologie: Mindestens 5 Jahre mit spezifischen Anforderungen:
· Mindestens 24 Monate stationäre Versorgung
· Mindestens 6 Monate neurologische Intensivmedizin
· Mindestens 12 Monate Psychiatrie/Psychotherapie (um die Schnittstelle zu verstehen)
· Erlernen aller diagnostischen Verfahren (EEG, EMG etc.)
4. Facharztprüfung: Mündliche Prüfung vor der Ärztekammer
Insgesamt: Mindestens 13–14 Jahre Ausbildung nach dem Schulabschluss
Wann solltest du einen Neurologen aufsuchen?
Du solltest einen Neurologen aufsuchen, wenn du Symptome wie folgende hast:
- Kopfschmerzen (besonders bei Migräne oder Clusterkopfschmerzen)
- Schwindel oder Gleichgewichtsstörungen
- Gedächtnisprobleme oder Verwirrung
- Lähmungen oder Schwäche
- Zittern oder Muskelzuckungen
- Anfälle
- Nervenschmerzen
- Schlafstörungen
- Sprach- oder Sprachverständnisprobleme
Typischerweise überweist der Hausarzt einen Patienten zum Neurologen.
Fazit: Neurologe ist Spezialist für das Nervensystem
Ein Neurologe ist ein Facharzt, der sich auf Erkrankungen des Nervensystems (Gehirn, Rückenmark, Nerven, Muskeln) spezialisiert hat. Er diagnostiziert diese Erkrankungen, etwa einen Schlaganfall, Multiple Sklerose oder auch Kopfschmerzen.
Die Ausbildung ist lang und anspruchsvoll und die Verantwortung ist groß. Neurologen können Menschen helfen, die bei anderen Ärzten keine Hilfe finden. Durch ihre Spezialisierung und ihre intensive Ausbildung können Sie auch Patienten mit vermeintlich unerklärlichen Symptomen oft helfen.
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