Was ist ein Femboy? Eine sachliche Erklärung

Was ist ein Femboy? Eine sachliche Erklärung

Du hast den Begriff Femboy gehört, kannst aber nichts damit anfangen. Was ist ein Femboy? Mit dieser Frage sind viele Menschen konfrontiert, da es sich um einen relativen neuen Begriff handelt, der vorwiegend von jungen Menschen häufig genutzt wird. Die Antwort ist zunächst recht einfach. Es handelt sich um einen biologischen Mann oder Jungen, der sich feminin präsentiert („feminine boy“). Du kannst einen Femboy an der Kleidung, eventuell auch am Make-up und am Schmuck erkennen. Es gibt einige Besonderheiten, die du kennen solltest.

Die genaue Definition: Was macht einen Femboy aus?

Ein Femboy identifiziert sich als männlich, gibt sich aber äußerlich in vielerlei Hinsicht weiblich. Ein Femboy ist nicht automatisch transgender. Vielmehr geht es vorrangig darum, eine persönliche Ausdrucksform und Geschlechterrepräsentation zu finden. Es geht nicht um Geschlechtsidentität.

Die Kernmerkmale eines Femboys sind:​

1.       Geschlechtsidentität:

  • Identifiziert sich meist als Mann oder Junge
  • Keine innere Überzeugung, „eigentlich eine Frau zu sein“
  • Kann aber auch non-binär sein
  • Unterscheidet sich fundamental von trans Frauen (die sich als Frau identifizieren)

2.       Feminine Präsentation/Kleidung:

  • Trägt feminine oder androgyne Kleidung: Röcke, Kleider, Crop Tops, Leggings
  • Beliebte Accessoires: Strümpfe (besonders „Thigh Highs“), Schmuck, Handschuhe
  • Trägt häufig Make-up
  • Wählt feminine Frisuren oder Haarschnitte
  • Betont oft das eigene feminine Aussehen

3.       Verhalten und Ausstrahlung:

  • Zeigt oft feminine Gesten und Bewegungsmuster
  • Kann weibliche Manieren oder Sprachmuster annehmen
  • Präsentiert sich insgesamt „nicht-traditionell männlich“

4. Altersgruppe:

  • Begriff wird vorwiegend für junge Menschen genutzt
  • Nach dem 30. Lebensjahr kommt der Begriff eher selten zum Einsatz

Wichtig: Es gibt kein „korrektes“ Femboy-Aussehen. Die Spanne reicht von einem subtil femininem Stil (z. B. nur dezentes Make-up und feminine Kleidung) bis zu sehr auffälligen, extremen Looks.​

Geschichte und Herkunft: Woher kommt der Begriff?

Der Ursprung des Begriffs „Femboy“ ist nicht vollkommen klar, aber mehrere Quellen geben Hinweise:​

Anime und Otaku-Kultur (Japan): Die japanische Anime- und Manga-Kultur nutzt den Begriff Otokonoko, mit dem ein „Junge mit Mädchenherz“ gemeint ist. Dabei handelt es sich um Männer, die feminine Rollen einnehmen. Anime und Manga haben zahlreiche männliche Charaktere, die ihr weiblich auftreten. Diese Ästhetik hat längst Einzug in die westliche Kultur erhalten.

2000er-Jahre: 4chan und frühe Online-Kultur: In den frühen 2000ern tauchte der Begriff „Femboy“ auf der Online-Plattform 4chan auf. Anfangs wurde er teilweise als abwertend gegenüber femininen Männern verwendet, teilweise aber auch als Selbstbezeichnung von Menschen, die diese Ästhetik wählten. In dieser Phase war die Bezeichnung oft mit Sexualisierung verbunden.​

2020er-Jahre: Rebranding und Sichtbarkeit: Seit etwa 2020, speziell auf TikTok, Instagram und anderen Social-Media-Plattformen, hat der Begriff ein „Rebranding“ erfahren. Viele junge Menschen nutzen ihn nun selbstbewusst, auch als Rebellion gegen toxische Männlichkeit und strikte Geschlechterrollen. Das Stigma wurde teilweise aufgehoben. Femboy-Sein wird zunehmend als legitime Ausdrucksform verstanden.​

Femboy vs. Crossdresser: Der wichtige Unterschied

Die Begriffe werden oft verwechselt, aber es gibt wichtige Unterschiede:​

AspektFemboyCrossdresser
GeschlechtsidentitätIdentifiziert sich (meist) als MannGeschlechtsidentität variabel
Häufigkeit der PräsentationAlltäglicher LebensstilOft nur gelegentlich, situativ
KleidungsmixMischung aus feminin UND maskulinVollständige Frauenkleidung
MotivationSelbstausdruck, innere IdentitätOft Hobby oder sexuelle Komponente
DauerOft andauerndOft vorübergehend, episodisch

Ein Femboy trägt täglich feminine Kleidung und sieht das als wesentlichen Teil seiner Identität, während ein Crossdresser sein Geschlecht wechselt (durch Kleidung), aber sich nicht notwendigerweise mit dem anderen Geschlecht identifiziert.​

Femboy vs. Trans Frau: Ein heikles Thema

Diese Unterscheidung ist besonders wichtig, wird aber oft falsch gemacht:​

Eine trans Frau:

  • Identifiziert sich als Frau (innere Überzeugung)
  • Ihre Feminität ist nicht „optional“ oder „Ausdruck“, sondern ihre Geschlechtsidentität.
  • Sie möchte als Frau anerkannt werden (Pronomen: sie/ihr).

Ein Femboy:

  • Identifiziert sich als Mann
  • Seine feminine Präsentation ist eine Ausdrucksform, nicht seine Identität.
  • Wird als Mann angesprochen (Pronomen: er/ihm)

Das Problem: Trans Frauen werden manchmal fälschlich als „Femboys“ bezeichnet, besonders von transfeindlichen Personen, die versuchen, ihre Geschlechtsidentität auszuhebeln. Das ist verletzend und inakzeptabel, da es trans Frauen auf eine Mode oder einen „Trend“ reduziert, statt ihre Geschlechtsidentität ernst zu nehmen.​

Sexuelle Orientierung: Keine Korrelation

Ein wichtiger Punkt: Die sexuelle Orientierung eines Femboys ist nicht festgelegt. Femboys können diesbezüglich alles sein:​

  • Heterosexuell (zu Frauen angezogen)
  • Schwul (zu Männern angezogen)
  • Bisexuell
  • Asexuell
  • Pansexuell
  • Oder jede andere sexuelle Orientierung

Der sexuelle Ausdruck und die sexuelle Orientierung haben nichts mit der Selbstbezeichnung als Femboy zu tun. Ein heterosexueller Femboy ist genauso legitim wie ein schwuler Femboy.​

Fazit: Was ist ein Femboy wirklich?

Ein Femboy ist ein junger Mann oder eine Junge, der sich bewusst feminin präsentiert, und zwar durch Kleidung, Make-up, Verhalten und Ausstrahlung, ohne sich allerdings selbst als Frau zu identifizieren. Es ist eine Ausdrucksform, keine Geschlechtsidentität.

In der heutigen Kultur kann Femboy-Sein bedeuten:​

  • Eine Rebellion gegen toxische Männlichkeit und Geschlechternormen
  • Ein authentischer Selbstausdruck von Personen, die sich nicht in binäre Kategorien pressen lassen.
  • Ein Lifestyle und eine Community für Menschen mit ähnlichen Interessen.
  • Eine ästhetische Wahl ohne eine tiefere Bedeutung.

Was es nicht sein sollte:

  • Eine sexuelle Fetischisierung
  • Eine Methode, trans Personen zu invalidieren
  • Ein Grund für Transfeindlichkeit oder Mobbing

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